ich komme nicht umhin, ich betrachte nicht nur Text, ich sehe das Leben.
Leider eine alltägliche Geschichte. In Bezug auf BDSM täglich tausendfach möglich.
Zwei Fremde, Unbekannte, nie Gesehene…..
Siebenundzwanzig Tage, sechshundertachtundvierzig Stunden von insgesamt vier Wochen, also von insgesamt siebenhundertzwanzig Stunden Lebenszeit, sechshundertachtundvierzig im Warten auf eine Stimme verbracht, mit Rasur und Klammerntragen glorifiziert. Dominiert von Zeit und eigenem Hoffen, Kopfkino und eingebildeter, weil erhoffter atemloser Ohnmacht, irgendetwas daran zu ändern…
ich komme nicht umhin nachzurechnen und frage mich: Wenn am fünften Tag der Befehl bezüglich der Klammern ausgesprochen wird, kommt sie als Anfängerin zuletzt auf drei Stunden geklammerte Nippel mit extra festen Klammern. Sie entledigt sich aller Kleidung, berührt sich nur noch zum Waschen….
Sie fährt in eine fremde Wohnung, gehört eine begrenzte Zeit einem Unbekannten, der auch nach dieser Frist nicht bekannter geworden ist und mit Worten umgeht, wie sie mit sich….achtlos, ersetzbar, einsetzbar ist für ihn jede x-Beliebige, die auf der Line anruft… jederzeit, immer, unbegrenzt auswechselbar.
Zwei Sichtweisen bleiben mir.
Zuerst:
Was macht Sehnsucht und Begierde aus uns Menschen? Wozu sind wir fähig? Wie weit gehen wir dem Abgrund entgegen, der uns anzieht und später wegwerfen wird, im Teil- oder Totalverlust unsere Werte, Tugenden und Würde? Was machen wir mit unserem Spiegelbild, wenn es uns ins Gesicht kotzt und wir die Spuren der geweinten Tränen nicht mehr überschminken können? Wohin weinen wir, wenn alle Eimer gefüllt sind, die wir uns hinstellten, im vollen Bewusstsein unseres Handelns, im hoffnungslosen Hoffen und der darin selbst konstruierten Hoffnung auf dieselbe?
Wie wird sie warten -in Zukunft, nun, nachdem er die Worte zum Abschied gesagt hat, die sie möglicherweise ernst nimmt? ich bezweifle nicht, dass er sie auch ernst meint, er spielt nur das Spiel, was sie gern annimmt. Sein Risiko liegt bei Null, er hat eine Flirtlinebox und ist dort präsent, während sie sein Verbot als Lebensaufgabe betrachtet.
Welcher Mann will eine Frau in seinem Leben, die diesen Weg geht? Welche Frau will einen Mann, der eine solche Frau will?
Dann:
Wie gut, dass sich immer zwei finden, die sich gegenseitig benutzen, ohne zu fragen, wem mehr genommen wird, wer mehr zerbricht und wie die Zigarette danach schmeckt. Ehrlicher wäre es allemal, auf dem Markt der austauschbaren Gefühle fliessender Körpersäfte den Weg der bezahlten Dienstleistung zu wählen.
Insgesamt:
Das Leben schreibt seine Rechnungen und der Mensch macht sich nicht bewusst, es ist seine Lebenszeit, die ihm da aufgerechnet wird. Das Leben besteht auf der Begleichung seiner Rechnungen und der Mensch zahlt seltsamerweise unbedacht sogar mit dem, wonach er sucht und was er Glück nennt.
Wenn er nichts mehr hat, sind die kleinsten Beträge die Teuersten und so kommt es, dass er schliesslich bereit ist, das zu geben, was ihm längst nicht mehr gehört - sich selbst.
ich stelle mir vor:
Zwei treffen sich, beide einen solchen Lebensweg gegangen und übrig geblieben, aus eben dem Grund. Nie angekommen, nie aufgefangen, nie weitergegangen und doch immer zu weit. Was, wenn einer den anderen fragt, ob eine Beziehung nicht endlich nützlich wäre, nützlicher als das, was nicht mehr überboten werden kann an Experiment und Wegwerfgesellschaft? Was, wenn dann in einem wachen, wörtlich ernst genommenen Augenblick die Antwort käme: „Ja, aber wer nimmt uns jetzt noch?“
Komisch:
Geiz ist geil, bestimmt seit dem ersten Aufkommen dieses Slogans unser Leben. Vom Spielzeug für unsere Kinder bis zur Zahlungsmoral hat sich alles verändert. Der Mensch findet Geiz geil.
Nur mit den eigenen Emotionen geht er um, als seien die eine wild wuchernde Pflanze um Urwald, die man nur pflücken muss.
Vergessen wir wirklich, wie viel Urwald täglich abgeholzt wird?
@pursoumise
»Er«
von Biene
Auf einer Flirtline lernt sie ihn kennen, und seine bestimmenden Worte graben sich in ihr Gedächtnis, rauben ihr den Verstand und führen sie hin zu der Tür, an deren Klinke eine Augenbinde hängt.
Die BDSM-Geschichte lesen: »Er« von Biene