Anton, Berta, Hühnersuppe: Über die Notwendigkeit eines Safewords
Safeword? Ja, sagen die BDSM-Oberlehrer und erheben den Finger vor dem Gesicht des BDSM-Neulings, der ihnen wissbegierig an den Lippen hängt. Macht es niemals ohne Safeword. Keine Gerte, keine Fessel und kein Knebel ohne Safeword. Vereinbart es in jedem Fall und vor jedem Spiel. Liebe Oberlehrer: Ist das wirklich so richtig?
Info: Veröffentlicht am 09.09.2012 in der Rubrik Gedacht.
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Anton trifft Berta. Mit der neuen Gerte. »Aua«, sagt Berta erschrocken und merkt, dass eine Gerte doch ziemlich weh tut, vor allem, weil Anton so fest zuhaut. Sie sagt noch einmal »Aua« beim nächsten Schlag und merkt schon da, dass das nicht ihre Sache ist. Antons dagegen schon. Er schlägt beim dritten Mal noch heftiger. »Hör bitte auf«, jammert Berta. Anton findet es toll, dass seine Berta so beeindruckt ist. Und haut gleich nochmal. Viel fester. Berta wimmert vor Schmerzen und winselt, dass sie alles tut, wenn er nur aufhört. Anton frohlockt und schlägt weiter. Während sich Berta nichts sehnlicher wünscht, als dass alles aufhört. Hätte sie nur gewusst, wie stark er schlägt und wie weh das tut. Und wüsste sie nur, wie sie ihm das schnell begreiflich machen soll.
Szenenwechsel.
Anton knebelt Berta. Damit sie nicht so laut jammert, wenn er sie fesselt. Sie hat das ja selbst so gewollt. Eine schöne Vorstellung war das für sie. Und es war auch ein schönes Gefühl, als er ihre Arme hoch oben an den Balken band. Bis nach zehn Minuten ihre Arme einschliefen und sie das Gefühl hatte, ihr Kreislauf bricht weg. Sie versucht, Anton zu sagen, dass sie es nicht mehr lange aushält, vielleicht noch ein paar Sekunden, bis ihr schwarz werden wird vor Augen. Als sie das - unverständlich - gegen den Knebel brüllt, freut sich Anton, wie schön Berta in ihrer Rolle versinkt. Und dann versinkt sie tatsächlich.
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Ich habe mir viele Gedanken zu diesem Text gemacht und er ist wirklich gut, denn er tut was er an dieser Stelle wohl soll...zum Nachdenken anregen.
So lange ich mich auch bemüht habe, ich selbst kann mich nicht erinnern je eines verwendet zu haben. Ich habe schon immer die Beobachtung vor ein simples Wort gestellt. Ist das vermessen? Nun, das kann ich nicht sagen, aber ich finde wenn man jemanden in Situationen bringen könnte, in denen es, warum auch immer, zu brenzlig werden könnte, sollte man auch Augen, Ohren und mehr noch, Herz und Verstand offen halten, für den Menschen den man seiner Führung unterlegt. Ich denke das auch "Hühnersuppe" nicht hilft, wenn das Gegenüber nicht all diese Dinge für sich und mehr noch, für seine Sub anzuwenden versteht.
Ich persönlich finde ein Safewort nur erforderlich/sinnvoll, wenn beide Neulinge auf dem Bereich sind, denn dann hilft es vielleicht beiden sich Schritt für Schritt vorwärts zu tasten auf einem Gebiet was für sie neu sind.
In diesem Sinne, danke für die Anregung meines Geistes
Danke für diese nachdenklichen Worte, hier und im wahren Leben geht es um viele Aspekte die immer berücksichtigt werden müssen, ich finde die wichtigsten sind Vertrauen, Respekt, Verantwortung und Sicherheit. Ich finde in ganz vielen Situationen hilft eine einfache Frage mehr um etwas zu klären, wobei aber Safewörter und/oder körperliche Reaktionen nicht außer acht zu verlassen sind.
Am schönsten ist es doch, wenn es ein Safewort gibt, es aber nicht oder selten benutzt werden muss, weil man genau aufeinander achtet.
Sehr gut gefällt mir auch der Kommentar von Ambiente. Man sollte als Sub nicht nur stark genug sein, alles mitzumachen, sondern auch stark genug, im Ernstfall das Spiel zu unterbrechen. Das heißt ja nicht gleich, dass man es ganz abbrechen muss. Je nach Situation kann man auch eine kleine Pause machen und sich dann wieder hineinfinden, wobei diesmal einfach die Grenze klar ist.
Ich persönlich finde es gut, wenn das Wort auch gelegentlich bei harmlosen Spielen wie z.B. Kitzeln ausprobiert wird. Dann fühlt man sich noch sicherer.
Um die Atmosphäre nicht gleich mit "Hühnersuppe" völlig zu zerstören, mag ich z.B. "Gnade" oder "Stop" als Safewörter.
Die Frage, die sich immer wieder stellt, ist die mit dem Knebeln... welche Zeichen eignen sich gut für Situationen, in denen man nicht sprechen kann? Ich denke auch, dass man sich auf so etwas erst einlassen sollte wenn man sich gut kennt. Aber wie viele hier schon gesagt haben, auch ein/e Dom kann keine Gedanken lesen, auch wenn er/sie noch so aufmerksam ist.
Es ist das zweite Mal, dass ich diesen wunderbar verfassten Text gelesen habe. Eigentlich wollte ich sofort antworten, aber ein Gedanke der aufkam hinderte mich daran. Dieser Gedanke ist immer noch da: Wer denkt an den Stolz und den Willen der Sub?
Cubi und ich haben von Anfang an mit Safeword gespielt - und es sogar ab und an eingesetzt.
Ich erinnere mich an Sessions in denen er mich toppte - mich an meine Grenzen führte. Ich schwebte - getragen von seiner Lust aber auch Fürsorge - wollte mehr, spürte aber, es geht nicht mehr viel weiter - wollte aber trotzdem mehr. Ich wußte das Safewort - brachte es aber nicht über die Lippen. Ich wollte nicht das es aufhört - aber mein Wille reichte nicht - dann blitzte Scham in meinen Gedanken auf - abbrechen? Schwäche zeigen? Ich wollte doch, dass er stolz auf mich ist.
Erst der Gedanke, dass ich nicht nur mir schade, wenn ich weitermache, sondern auch ihm, wenn er merkt, er hat meinen inneren Kampf nicht richtig bemerkt und gedeutet - gab mir die Kraft, unser STOP auszusprechen.
Der Text stimmt nachdenklich.Ja, natürlich sollten Reaktionen bemerkt werden.Trotzdem kann viel passieren völlig ohne Arg und Wissen.Doch, ein Safeword ist nötig und sei es als letzte Versicherung.
danke für diesen Text, der mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Grundsätzlich sollte man sich wirklich so gut kennen, dass man die Schwächen des anderen kennt und seine Reaktionen einschätzen kann. Und ganz wichtig für mich: Wenn Sub Angst vor etwas hat (Feuer, Wespen, Höhen- oder Raumangst, um nur einige Beispiele zu nennen), dann ist es UNABLÄSSLICH, dass sie dies dem Partner mitteilt.
Ich denke aber auch, dass es gefährlich werden kann, verlässt Sub sich nur darauf, dass Dom an ihren Reaktionen erkennt, ob es ihr gut geht. Denn wie bereits gesagt wurde, Dom ist auch nur ein Mensch und Menschen machen Fehler.
Auf der einen Seite finde ich hast du Recht. Man sollte sich immer gut überlegen, wie sehr man dem gegenüber vertrauen kann. Kenn ich denjenigen sehr gut und vertraue ihm sehr, kann man bestimmte Dinge auch ohne Safeword. Auf der anderen Seite: Gerade wenn Sub auch mal gezwungen werden will, etwas zu tun, finde ich ein Safeword wichtig. Denn was ist, wenn plötzlich etwas gefordert wird, was eine absolute Tabugrenze sprengt. Dann will ich dem anderen schon mitteilen können, pass auf, das ist jetzt keine Widersetzlichkeit, sondern das werde ich auch keinen Fall tun. Schnell, ohne da eine emotionale Situation draus zu machen. Bei solchen Dingen würde ich ein Safeword vereinbaren. Ansonsten, bei Schmerzlevel etc, vertraue ich meinem Partner sehr. Denn auch die Erfahrung zeigt, er ist lieber 100 mal zu vorsichtig, als das er riskiert, zu weit zu gehen. Und das gibt mir ein besseres Gefühl als jedes Safeword.
11.10.2018 um 15:49 Uhr
Danke für dieses schöne Plädoyer.
Und auch für die Meinungen der Leser.
Ich finde es sehr hilfreich.
Wir haben auch ein Safeword. Aber so wie ich meinen Dom kenne, werde ich es wohl nicht gebrauchen müssen.
Andererseits...auch Doms sind nur Menschen...
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