Beste Sesemie,
Du schreibst in Deinem Profil, dass Du es magst, in Alltagsszenen Deine Phantasien hineinzulegen. Ich find, dies hast Du mit Deiner beschriebenen Szene hier gut belegt. Ich mag solche Beobachtungen. Ein halbes Dorf hast Du beschrieben, Lebensläufe sind angedeutet, und manche sind schon nicht mehr da. Ein Standbild im (unbarmherzig) fließenden Zeitenstrom. Wie beim Fotografieren mit kurzer Belichtungszeit aufgenommen. Der Schnitt durch die Zeit, ein eingefrorenes Bild, aber überhaupt nicht statisch. Der Blumenpflücker verlässt das Lokal, und sein Beziehungsritual nimmt seinen gewohnten Lauf, reicht über den Gemälderahmen hinaus. Wie die Bedienung, deren Partner hinten in der Küche dennoch präsent ist, ohne selbst aufzutreten. Die Geschichte wirkt trotz Perspektivwechsel der Wahrnehmenden überhaupt nicht unruhig. Die galante Caféhaus-Bremse ist wie eine Zeit-Lupe, und auch das macht die Geschichte subjektiv länger als sie an Zeilen zählt. Kein Plot: Aber eine Szene.
Dein persönlicher Umgang mit der Zeit scheint mir zu sein, dass Du zu wenig davon hast. Denn wie würde eine solche Geschichte erst ausfallen, wenn sich Szene an Szene reihte.
Aber: Solche Kostproben lassen mich zurück mit dem Bedürfnis: Lecker, davon würd ich gern mehr lesen. Wenn der Appetit mit dem Lesen kommt, hat die Autorin gut angerichet.
»Freitags«
von Sesemie
Meine Frau ist wie jeden Freitag gefesselt im Keller. Da, wo sie hingehört. - Lüge oder Wahrheit? Das verrät der Gefragte seinen Freunden am Tisch natürlich nicht. Aber der Wirtin, die den Dialog unweigerlich mitbekommt, geht die Fantasie durch.
Die BDSM-Geschichte lesen: »Freitags« von Sesemie