Die Geschichte muss mehrfach gelesen werden.
Beim ersten Lesen dachte ich, ne, was ist das für ein intellektuell bemühter Kitsch. Monotonie der Gestirne, im Meer versinkender Glutball, Sandkörner als Sänftenträger und das gemeinsame Aufglühen als Gestirn. Beim roten Riesen, der im Unterleib zu einer Nova kollabiert und seine Massen als Eruption in den Leibraum schießt, überkam mich eine große Freude, die den ganzen Tag anhielt.
Beim zweiten Lesen hatte ich den Eindruck einer Parodie und ich stellte mir den Text im „Eulenspiegel“ oder der „Titanic“ vor, je nach Bundesland. Ich fühlte mich gut unterhalten. Aber da war noch etwas, das hinter den ganzen Planeten und Sonnenzirkeleien hervor sah.
Ich schloss ein drittes Lesen an, habe ich mich auf die Geschichte eingelassen und mich hinein gesetzt. Ich dachte an eigenes Empfingen, körperliche Liebe und Momente, in denen sich die Welten verschieben, die äußere Welt so unerheblich, so klein und meine innere Welt so groß und weit wird. In diesen Momenten bin ich doch Mittelpunkt des Universums, meines Universums und der Sand dient mir als Sänfte und die Gestirne sind ein Nichts im Vergleich zu mir in dieser viel zu kurzen Zeit.
Fast verborgen erfuhr die erreichte Weite noch eine Steigerung durch das Spiel im SM-Bereich.
So habe ich die Geschichte gelesen. Manchmal lohnt es, ein wenig länger vor einem Bild stehen zu bleiben und auf die Wirkung zu warten.
»Atemspiel«
von Nachtasou
Ich möchte, dass die Sandkörner unter uns anerkennen, dass sie Sänftenträger sind für diesen Moment, in dem sich Schenkel öffnen für ein Gegenüber, und die Lust ihren Anfang nimmt, die mehr als Dünen wegspült.
Die BDSM-Geschichte lesen: »Atemspiel« von Nachtasou