Das war also das Ende. Das Schreiben vom Scheidungsanwalt zeigte ihr noch einmal das ganze Ausmaß seiner Liebe. Er wollte alles, ihre Kohle, ihr Leben. Sie hatte ihn zum Teufel gejagt, eine Woche lang geheult und sich in den blödesten Bars der Stadt herumgetrieben. Nun endlich findet sie den Zuhörer, den sie braucht. Und begeht daraufhin trotzdem einen furchtbaren Fehler.
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»Mifl, ich will mit dir ficken. Wir gehen zu dir.«
Er hatte wirklich M-I-F-L gesagt. Sicher kein Zeichen von Legasthenie bei ihm, sondern seiner Intelligenz durchaus angemessen. Genug für sie. Sie erhob sich lächelnd.
»Gerne. Du machst mich so heiß, Baby. Warte einen Moment, ich gehe eben noch mal wohin, du weißt schon. Stell›s dir einfach vor, Süßer. Warte auf mich.«
Er strahlte ihr nach, als sie die Bar verließ. Sie hatte sein Gesicht schon vergessen, als sie sich an der Garderobe den Mantel geben ließ, an die frische Luft trat, auf zwei Fingern nach einem Taxi pfiff.
Das war also das Ende. Mifl. Keine acht Wochen hatte ihr Absturz gedauert. Das erste Schreiben vom Scheidungsanwalt, heute auf ihrem Schreibtisch, zeigte ihr noch einmal das ganze Ausmaß der Liebe, die ihr jetzt schon Verflossener für sie aufbrachte. Er wollte alles, ihre Kohle, ihr Leben. Sie hatte ihn sechs Jahre lang durchgefüttert, ihm ein paar anständige Sachen gekauft und das Scheiß-Auto, das er vor die Mauer geknallt hatte, weil er sogar dafür zu dämlich war. Und trotzdem war sie fast erstickt an dem, was sie ihm an den Kopf geworfen hatte, was sie ihm an den Kopf werfen musste, um endlich aus diesem endlosen Delirium loszukommen. Okay, sie hatte ihn zum Teufel gejagt. Okay, sie hatte eine Woche lang geheult, nachts. Und ja, verdammt, sie hatte sich in den blödesten Bars der Stadt herumgetrieben seitdem. Einfach um klarzustellen, dass sie ihn nicht brauchte.
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04.06.2017 um 00:08 Uhr
Sie hatte doch alles erreicht. Einen guten Beruf, ein teures Auto, einen teuren Mantel, und einen teuren Kerl, der nix taugte. Auch ein Spielzeug. Und irgendwann die Erkenntnis, dass man davon nicht satt wird und auch die Sehnsucht nicht gestillt, nur eingelullt. Der Selbstbetrug hielt sechs Jahre und war schließlich noch stark genug, um ein letztes Mal in den Keller zu gehen. Die Sehnsucht lässt uns manche Dummheit tun. Ich war froh, dass ich nicht miterleben musste, wie sich stachelstarrer Hass entlädt.
Allerdings glaube ich nicht, dass sie am Ende die Rolle gewechselt hat. Gerade ein Boxer kann ermessen, dass Aushalten oft mehr Kraft erfordert als Austeilen.
Danke für das Happy End
hanne
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