Das unendliche Streben nach Vollkommenheit - oder: Nobody is perfect
Wir rennen vermeintlichen Idealvorstellungen von Beziehung und Partnerschaft und BDSM hinterher, ohne zu bemerken, dass wir dabei die Realität aus den Augen verlieren. Gerade in unserer Kinky-Welt wird gerne und oft nach dem Perfekten gesucht - und ganz selbstverständlich für sich selbst reklamiert.
Info: Veröffentlicht am 24.12.2020 in der Rubrik Gedacht.
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Wir wollen immer das Perfekte: die tollste Wohnung, den spitzenmäßigen Arbeitsplatz, die ideale Beziehung, den perfekten Partner. Nicht zu vergessen hinreißendes Aussehen und natürlich ausreichend Geld, das man für ein erfülltes Leben schließlich braucht. Wir vergessen dabei nur allzu oft, dass es das nicht gibt, nicht geben kann. Auch wir selbst sind nicht perfekt. So rennen wir vermeintlichen Idealvorstellungen von Beziehung und Partnerschaft und BDSM hinterher, ohne zu bemerken, dass wir dabei möglicherweise die Realität völlig aus den Augen verlieren. Gerade in unserer »Kinky«-Welt wird gerne und oft nach dem Perfekten gesucht - und ganz selbstverständlich für sich selbst reklamiert. Der perfekte Dom muss allwissend sein, natürlich jederzeit bemerken, was Sub braucht, der oder die perfekte Sub darf sich keine Fehler erlauben und sich nicht - vermeintlich - daneben benehmen, immer frei nach dem Motto »das macht eine richtige oder ein richtiger Sub nicht!« Jede Session hat gefälligst besser zu sein als die vorangegangenen, Abweichungen vom Drehbuch oder gar Abbrüche dürfen nicht vorkommen. Wenn nicht alles sofort und auf Anhieb klappt, gleicht das häufig fast einem Weltuntergang. Statt sich miteinander zu freuen, sich gegenseitig Lust zu bereiten und auch über Missgeschicke - ja, die gibt es - einfach gemeinsam zu lachen, wird viel zu viel kritisch hinterfragt. Auch einem Dom passieren Fehler - einer FemDom auch - und es läuft halt nun mal nicht immer alles so, wie man es sich vielleicht vorgenommen hat. Manchmal ist einfach auch nur Vanilla völlig ausreichend und befriedigend. Es müssen auch nicht immer beide gleich zufrieden sein. Mal ist es für die eine Hälfte besser, manchmal für die andere.
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Wir sollten nicht immer nach dem Besten streben, sondern die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen wissen und genießen. Dann wären die Menschen auch glücklicher und zufriedener, da das Streben nach hohen Idealen, zu viel Zeit und Kraft in Anspruch nimmt und man vergisst glücklich zu sein.
Wie wird perfekt definiert? Es gibt dafür keine 100%ige Antwort, denn jeder Mensch ist individuell und hat andere Vorstellungen von perfekt. Wichtig ist, dass wir für uns selbst festlegen, was uns glücklich macht und wie wir es vielleicht auch nur mit kleinen Schritten erreichen können.
Ja, recht hast du, liebe Drachenlady, ich stimme dir zu, vor allem, wenn wir das Perfekte bei anderen suchen resp. erwarten. Anspruchsdenken.
Andererseits ist die Suche nach Perfektion auch eine Frage der Richtung. Ich habe mir abgewöhnt - naja, meistens - mich mit anderen zu vergleichen. Mein Maßstab bin ich. Ich muss ja auch die meiste Zeit mit mir aushalten und da ist es durchaus von Vorteil, wenn frau mit sich zufrieden ist.
Perfektion ist auch eine Frage der Definition. Ich erwarte von mir Ergebnisse, die ich „bringen“ kann, alles andere ist ohnehin Unsinn. Das wusste ich aber auch nicht immer, früher waren die Träume doch bombastischer.
Gitte singt: „Will nicht perfekt sein, nur gut.“ - Das gefällt mir.
Ich glaube, gut ist das was geht, ohne oberflächlich zu sein.
Es ist die Balance, die ich anstrebe. Wer keine Ziele mehr hat, hat auch fertig gelebt.
Bestimmt fällt mir nachher noch ein anderer Aspekt ein. Oder jemand anderem. Es gibt viele Sichtweisen und Blickwinkel.
Denn was kann erstrebenswerter sein als einen Menschen zu lieben, von diesem geliebt zu werden und mit diesem gemeinsam Horizonte zu erweitern und Grenzen auszuloten?
Liebe Drachenlady, das kann man mit einem Wort beantworten: Nichts!
Das von Dir sehr gut beschriebene, menscheneigene Streben nach Perfektion und Vollkommenheit, die schier unendliche Gier nach besser, höher, schneller, weiter kann tatsächlich nur durch eines getoppt werden. Durch Liebe und zwar egal in welcher Lebenssituation.
Gerade 2020 hat uns alle ein großes Stück weit auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, hat oft das gebremst, was viele erstrebten. Was den meisten geblieben ist, war und ist Liebe, Familie, Gemeinsamkeit so weit das ging und geht.
Gregor hat deine Aussagen um einen wichtigen Satz ergänzt. Dem schließe ich mich vollumfänglich an!
Unser Leben ist ständiges Angehen gegen die Vergänglichkeit, liebe Drachenlady. Die Natur strebt den energieärmsten Zustand an. Metall rostet, unsere elektronischen Spielzeuge wandeln sich zu Schrott, ständig ist was am Haus zu machen, wir treiben Sport gegen Verfettung und versuchen, schön bleibend zu altern. Das Bemühen nach Verbesserung ist eine gute Eigenschaft. Der ständige Versuch, die Perfektion zu erreichen, ist verständlich, aber aussichtslos. Deinen Blog kann ihn nur bestätigen, vielleicht noch einen Satz hinzufügen.
Je mehr ein Mensch nach Perfektion strebt, desto unbefriedigter ist er und desto unglücklicher wird er. Da bin ich ganz sicher.
30.03.2024 um 03:20 Uhr
Ohne weitere Ausschweifungen: Da bin ich vollkommen bei dir.
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