Der verkannte Homo Restis - oder: Die Neigung zu BDSM ist angeboren!
Ich frage mich heute, wie ich auf die Idee kam, diese Seilbindeaktionen auszuführen. Anregungen zu Bondage aus dem Fernsehen? Aus der Zeitung? Niemals. Pornographie war verboten. Kein Input. Keiner meiner Freunde hat mir einen Tipp gegeben, nirgendwo habe ich jemanden so etwas auch nur Entferntesten tun sehen. Und trotzdem haben mich diese Aktionen über einige Jahre begleitet.
Ich frage mich immer, wie kommen Menschen, die Gefallen an Bondage oder Diziplin oder Sado oder Maso haben, auf die Idee, so etwas zu tun.
Lasst mich einem Klischee folgen: „Ein Paar ist zusammen und irgendwann äußert der Mann, seinem Besitzanspruch entsprechend, den Wunsch, seine Partnerin ans Bett zu fesseln um sie dann bestenfalls zu verwöhnen oder auch zu nehmen! Die Dame, zur Unterwürfigkeit bereit, lässt es mit sich geschehen und ist, sie staunt selber, davon angetan, selbst wenn die Vereinigung nicht ganz schmerzfrei vonstatten ging. Vielleicht verwirft sie aber auch das Ansinnen ihres Partners und weigert sich zum Frust ihres Partners. Jedenfalls hat das Kopfkino bei beiden nun einen Impuls bekommen und beginnt zu laufen. So oder so ähnlich wird Mann und/oder Frau an BDSM herangeführt. Klischee Ende.“
Es war in meiner Pubertät, dies steht außer Frage. Allein den Zeitpunkt genau zu bestimmen gelingt mir nicht mehr ganz. Wir wohnten jedenfalls schon in dem neu erbauten Haus am Stadtrand und es gab Nachmittage, an denen ich alleine zu Hause war.
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Meine Eltern und Großeltern waren streng atheistisch, jederlei ikonographierte Folterszenen waren in unserem Hausstand nicht zugelassen.
Trotzdem hat mich schon als Kind die Vorstellung, bewegungsunfähig gefesselt zu sein, mit wohligem Schauer erfüllt.
Vielleicht war es ja doch die Krippentante, die das schalfunwillige Gör ans Bett gebunden hat, damit es nicht die Gruppendynamik in Schwung bringt .... Wer weiß.
Ein bisschen neidisch bin ich schon auf das ausgedehnte Zeitfenster für Spiele mit Sisal. Bei uns war immer irgendwer da, im schlimmsten Fall meine Schwester. Da war abends im Bett mit einem Tuch die Hand- und Fußgelenke zusammenknüppern das höchste der Gefühle. Und war auch schon schön.
Ich finde man merkt, dass bestimmte Zeilen sehr genau durchdacht und fein geschliffen wurden.
Ich kann es nicht genau benennen, aber der Text kitzelt eine ganz bestimmte Stelle in meinem Gehirn.
Ich habe eine mikroskopische Aufmerksamkeitsspanne. Wenn ein Text mich einfach so packen kann und es mir nicht schwer fällt, dabei zu bleiben, heißt das wirklich was.
Vorweg: natürlich ist es Geschichte und damit zwangsläufig auch eine Geschichte. Eine von vielen ganz persönlichen Geschichten. Ob eine Erzählung oder Novelle, darüber ließe sich wiederum streiten.
Ähnliche oder vergleichbare Erlebnisse kennt, so möchte ich behaupten, ausnahmslos jeder auf diesem Portal. Selbst die Harten aus dem Garten.
Die zeitnahe Einordnung dürfte nur wenigen gelungen sein. Für die Erwachsenen, um nicht Älteren zu sagen, ist es ob der mangelnden thematischen TV-Präsenz vermutlich sogar gegenwärtiger als "Verwachsenen" und "Heranwachsenden", also den Jüngeren und ganz Jungen. Wissenschaftlich nicht belegt, aber mein persönliches Empfinden.
Bei mir begann es wohl mit kind-/frühjugendlichen Cowboyspielen, also eher als Gruppenerfahrung und weniger im Alleingang. Daheim geschahen andere Dinge. Das Kuriose für mich ist weniger die Entdeckung meiner selbst, sondern mehr das zwischenzeitliche Vergessen dessen. Vermutlich, weil man es nicht einordnete. Es fehlte schlicht das Basiswissen, um es zu können.
Deine Zeilen betreffend hätte ich mir nicht nur diesen "Pflasterstein", vielleicht auch "Schlagloch", gewünscht, sondern die ganze Wegbeschreibung. Wegbegleitung, Mitfahrgelegenheiten, öffentlichen Nahverkehr sozusagen.
Erstmal vielen Dank, dass du uns an deinen ersten Erfahrungen teilhaben lässt. Möchte dir auf jeden Fall beipflichten, die Gene sind ursächlich für unsere Neigungen. Sie sind ganz tief in uns angelegt und deshalb auch nur schwer dauerhaft zu unterdrücken. Irgendwann kommt alles an die Oberfläche und der Wunsch BDSM zu leben wird übermächtig.
Diese Erzählung wirft tatsächlich die spannende Frage auf, welcher Ursprung unseren Neigungen inne wohnt. Ohne jetzt Studien heranziehen zu können und zu wollen, ist doch schon der Kern unserer Persönlichkeit ein Stück weit in den Genen verankert. Dominanz und Submission (im Sinne einer höheren Anpassungsbereitschaft) sollten also schon dort anzutreffen sein. Aber es darauf zu reduzieren, wäre irreführend. Sozialisationserfahrungen, seien sie bewusst oder unbewusst erlebt worden, tragen sicher ebenfalls zur Ausprägung der Neigungen bei. Dabei können diese Erfahrungen allesamt harmloser Natur sein.
Ich bin auch absolut davon überzeugt, dass die Neigungen genetisch vorbestimmt sind. Vielleicht sind noch gewisse auslösende Momente nötig. Aber ich denke nicht, dass man sich komplett und nur vom Kopf her dafür entscheiden kann.
Ich muss sagen, dass ich diese Zeilen wirklich toll fand. Nicht nur, weil ich ein solches "Outing", eine solche Beschreibung eigenen Erlebens immer wieder spannend finde. Nein, auch weil sie zum Nachdenken, besser zum Zurückdenken, anregen. Wie war es bei mir? Wann habe ich erste Erfahrungen gemacht, an die ich mich wirklich erinnern kann? Würde ich heute damals Erlebtes als BDSM bezeichnen?
Danke für diese Zeilen, danke für die Anregung, in Erinnerungen zu schwelgen, danke für diese offenen Worte.
07.01.2025 um 23:20 Uhr
Bester Nachtasou
deine These klingt schlüssig.
Aber ...
Meine Eltern und Großeltern waren streng atheistisch, jederlei ikonographierte Folterszenen waren in unserem Hausstand nicht zugelassen.
Trotzdem hat mich schon als Kind die Vorstellung, bewegungsunfähig gefesselt zu sein, mit wohligem Schauer erfüllt.
Vielleicht war es ja doch die Krippentante, die das schalfunwillige Gör ans Bett gebunden hat, damit es nicht die Gruppendynamik in Schwung bringt .... Wer weiß.
zart reif
Ein bisschen neidisch bin ich schon auf das ausgedehnte Zeitfenster für Spiele mit Sisal. Bei uns war immer irgendwer da, im schlimmsten Fall meine Schwester. Da war abends im Bett mit einem Tuch die Hand- und Fußgelenke zusammenknüppern das höchste der Gefühle. Und war auch schon schön.
Danke für Denkanstöße
hanne
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