Flüchtige Begegnungen, denen man nicht nur hinterher sieht, sondern auch hinterher sinniert, bergen mitunter mehr Tiefgang als erwartet. Denn auch hier gilt: Nicht alles ist so, wie es scheint oder wie man glaubt, dass es scheint.
Hoch stand die Sonne nicht mehr, ihr helles Licht überzog das sanfte Auf und Ab der See wie ein filigran gesponnenes, glitzerndes Netz. Flache Wellen liefen sich am ruhig aufsteigenden Strand aus, spülten den nassen Sand, schoben kleine Steine, Muscheln und ein wenig Seegras. Die brütende Hitze des Spätnachmittags war vorüber, dann und wann strich ein Hauch kühler Luft durch die Dünen und über mein Gesicht. Seit ein paar Stunden lag ich schon hier, beobachtete die glitzernde See, am Horizont ziehende Fähren und Frachter. Eine Möwe suchte mich von Zeit zu Zeit auf, segelte über mir, beäugte mich, flog dann weiter. Ich strich mit meinen Füßen durch den warmen Sand, streckte mich ein wenig, stützte mich dann wieder auf die Ellenbogen. Ich wartete. Auf sie. Meist entdeckte ich sie als zunächst unscheinbare Bewegung auf dem nassen Streifen Sand, der das Sonnenlicht spiegelte und den westwärts verlaufenden, leichten Bogen des Strandes säumte. Langsam nur kam sie näher, häufig blieb sie stehen, sah auf die See hinaus oder beugte sich herab, um eine Muschel oder einen kleinen Stein aus dem Sand zu heben.
Du erhältst kostenlos Zugriff auf BDSM-Geschichten, Hörtexte und Podcasts. Du kannst im Forum und im Chat andere Mitglieder kennenlernen. Und wir bieten dir viele weitere Vorteile.
Ich hätte es nicht besser schreiben können....und ich liebe solche Stimmungs-Naturbeschreibungen....und das Ende: ich finde es gut. Ein anderer mag doch das ergänzen, was manchem hier fehlt - die Nacht nach dem 15. Tag....
Das Ende der Geschichte und das "Outing" empfinde ich fast etwas unpassend. Die Beschreibung der Situation ist so plastisch und emotional. Wer Abende am Meer erlebt hat, ist von der Schilderung angetan. Und alles nur wegen der Magie der Worte. Der Break am Ende wird da fast als "Alibi" für die Schattenzeilen empfunden. Schön geschrieben, wenn auch Fragezeichen bleiben. Vermute eine Absicht dahinter. Danke
Der Text hebt sich wohltuend ab von den vielen, sich wiederholenden Beschreibungen von SM-"Sessions", und zwar inhaltlich wie sprachlich. Er baut auf sehr subtile Art starke Spannung auf, die erst durch die letzten Worte gelöst wird. Ich habe ihn genossen!
Zum Text. Er transportiert eine entspannte Stimmung. In dieser Geschichte liegt eine seltene Ruhe. Ich habe das Stück zwei Mal gelesen. Ich bin nicht gestolpert. Die langen Sätze haben mein Lesetempo reduziert. Zu Wortbildung und Satzbau. Hier steckt System in den langen Sätzen, die durchaus geteilt werden könnten aber, das vermute ich, bewusst so geschrieben wurden, wie sie in der Geschichte stehen. Wenn ich in Gedanken die Sätze teile, bekommt die Geschichte mehr Geschwindigkeit und die Ruhe, die Entspannung, also genau das, was diese Geschichte ausmacht, verschwinden. Dann wird die Geschichte beliebig. Sie ist es nicht. Sie ist ein seltenes Beispiel für Stimmungsaufbau und Stimmungsübertragung durch geschriebene Worte. Hat bei mir super funktioniert.
Jeder darf seine Meinung äußern. Diejenigen mit konstruktiver Kritik besonders gern. Auch diejenigen, die sich lediglich auf ein "wunderschön" beschränken. Aber auch diejenigen, die aus Gründen bei einzelnen Personen herablassend kommentieren oder provozieren möchten. Das ist in Ordnung, solange es nicht beleidigend wird, es verschafft ihnen ebenso Luft wie denen, die ihre Freude äußern wollen. Jedermanns Beweggründe hier in diesem Thread zu diskutieren, führt zu weit, weil an dessen Sinn vorbei. Hier gibt es eine Ausweichmöglichkeit: Geschichten auf dem Seziertisch.
Falls darüber hinaus Bedarf besteht, gern per privater Nachricht.
11.04.2024 um 19:47 Uhr
Ich mag es sehr wie detailliert du die Geschichte erzählst.
Zu diesem Beitrag im Forum.