Was bin ich? Seine Sklavin. Die Striemen auf meinem Hintern zeugten deutlich von diesem Umstand! Seine Geliebte. Lebensgefährtin. Freundin. Vertraute. Kumpel. Ich bin vieles, sagte ich mir. Aber - ich bin und bleibe ich. Eine erwachsene Frau. Eine eigenständige Person. Die selbständig denkt. Was also war falsch an meiner Antwort?
Trotzig. Direkt. Ihm dabei ohne Umschweife in die Augen sehend.
Schon als ich die Worte aussprach, hatte ich gewusst, dass sie eine Lüge waren. Natürlich, auch als seine Sklavin bin und bleibe ich ICH. Aber es ist auch so sicher wie das Amen in der Kirche, dass ich viel mehr bin. Für mich. Und für ihn.
Warum sagte ich es dann?
Hatte ich für den Moment meinen Platz vergessen?
Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass diese Worte schneller über meine Lippen drängten, als ich überlegen konnte - und dass sie aus dem Herzen kamen. Und ich wusste, dass sie Konsequenzen haben würden. Schon als es in seinen blauen Augen aufblitzte, wusste ich es.
Es ist nie gut, sich auf Trotz und Widerstand zu besinnen, wenn man vor dem eigenen Herrn kniet. Meist erfolgt das Echo schneller, als man „Piep“ sagen kann.
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Die Geschichte ist vielschichtig und kann offenbar mit mehreren Augenpaaren gelesen werden. Das macht Spaß. Sie hat eine Entwicklung, es gibt eine Vorgeschichte, die knapp umrissen wird, und endet in einem klaren Finale.
Ich lese sie als „Konzept“-Geschichte. Damit meine ich: Sie denkt eine grundlegende Frage konsequent bis zum Ende hin durch. Das ist jenseits vom Wünschen, Gefallen oder Darf-man-das. Wie andere schon angemerkt haben: Das ist in einem Sci-Fi auch so, in einem Krimi auch so. Und die Autorin übernimmt die Aufgabe, im hypothetischen Denken und Fühlen folgerichtig zu sein. Das auch noch in eine Geschichte zu kleiden, ist Dir nach meinem Eindruck gelungen.
Also: Die Beziehung zwischen den beiden Personen hat eine Vorgeschichte, erfahre ich. Was ich nicht erfahre, ist, wie die beschaffen war, aber wohl zufriedenstellend über lange Zeit. Inzwischen fühlt sich die Frau vernachlässigt. Sie versucht mit ihren vermeintlichen Mitteln die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Es geht mir um die Frage, wer wem die Rollenidentität zuschreibt. Die Frau definiert sich als Sklavin und schmückt dies eigenmächtig aus. Stichwort: eigenmächtig. Und dafür bekommt sie den „Abwasch“, eine kleine Hirnwäsche im Eco-Programm. ER legt fest, was seine Sklavin schmückt, und auch was nicht.
Ja, das tut weh *g in diesem Gedankengang. Die „stolze Sklaven“ ist hierin passé. Die Federn, mit der sie sich schmücken darf, steckt er ihr an, und nicht umgekehrt. Hoffart ist die alte Bezeichnung dafür. Konsequent gedacht, würde er im letzteren Fall nur der Claqueur ihrer Aufführung sein.
Sie will gefallen. Schade um die Mühe, die sie sich gibt. Aber wer ohne Einschränkung gefallen will, muss sein Eigenes halt auf Null setzen. Das ist der Preis.
Nach meinem Verständnis erinnert er sie in der Geschichte durch sein Tun daran, was die Basis ihrer BDSM-Beziehung ist. Und dazu resettet er sie. Denn sie hat sich verrannt in ihrem Aufmerksamkeitsheischen.
Du hast Dich moralisch abgesichert in der Story, Sisa: Die beiden sind im Alltag Kameraden, Partner, pipapo, alles, was man sich von einer Beziehung nur wünschen kann. Und das bleibt unangetastet. Erschrakst Du selbst vor dieser nötigen Identitätsleere als Anfangszustand im Sexuellen? Der ist das Beständige in ihrer schon verwittert scheinenden Sexualität: Nicht sie ist es, die darüber verfügt, was er an ihr findet. Sie ist sträflich zur Aktivistin geworden *g.
Wie straft man eine Masochistin, wenn es eine wirkliche Strafe sein soll? Naja, wohl durch Nichtbeachtung ihrer Bedürfnisse.
Er kennt ja sein Schweinchen. Er nimmt sie wörtlich und zieht genau das durch, was sie ja will. Nur eines tat weh: ein unbeachtetes Nichts zu sein. Eine neue Identität erwächst aus der Verneinung einer alten.
Ich find die Geschichte herrlich konsequent durchdacht. Und geschichtlich auch gut umgesetzt. Das absolute Gefallen-Wollen (das ist nicht nur im BDSM so!), hat einen hohen Preis: Die eigene Identität, bis hin zum Nichts. Also: BDSM macht nur Spaß, solange er nicht perfekt funktioniert *g.
Meins wäre so eine Sklavin nicht, so verführerisch es erschiene, weil mir der eigene Wille auf der Gegenseite fehlte. Mir ist Konsequenz sowieso suspekt: Sie ist zweischneidig, weil sie mir selbst Berechenbarkeit auferlegt und meine Freiheiten einschränkt; zum Beispiel die des Sinneswandels. Und der ist mir heilig, weil ohne nur Stillstand wäre.
ja, es ist eine harte schilderung. und dennoch kann ich dieses tiefe unten-sein gut nachvollziehen. es braucht eine bestimmte dynamik, du du hier gut beschrieben hast.
bdsm ist vielschichtig und nicht jede facette ist für jeden nachvollziehbar. ich habe hier durchaus auch wärme gesehen… beide wussten von ihren neigungen und der tiefe… es war nicht komplettes neuland. das ende zeigte dann ja auch die gemeinsame ebene.
Ich muss gestehen, dass ich von diesen Zeilen regelrecht hin- und hergerissen bin.
Ich fand sie klasse geschrieben, fast schon ein bisschen zu hart, weil ich bestimmte Schläge so gar nicht mag. Dennoch hatte ich sofort Bilder im Kopf. Bilder, die das Kopfkino arbeiten ließen. Aber auch Bilder, die mich schon fast abgestoßen haben.
Ja, es stimmt, BDSM ist so vielschichtig, wie die, dies es leben eben sind. Trotz allem hat es für mich in einer Beziehung auch immer mit Liebe und Fürsorge zu tun. Genau diese Aspekte habe ich hier vermisst. Dafür Erniedrigung pur und kalte Härte erfahren. Dies so sehr, dass mich die Frage, wie Sub "ein Nichts" sein kann, wohl noch eine Weile beschäftigen wird.
Trotz diese Hin- und Hergerissenseins danke ich Dir für diese Zeilen und hoffe, dass sie es schaffen, viele zum Nachdenken zu bewegen.
30.11.2023 um 12:19 Uhr
Beste Sisa,
Die Geschichte ist vielschichtig und kann offenbar mit mehreren Augenpaaren gelesen werden. Das macht Spaß. Sie hat eine Entwicklung, es gibt eine Vorgeschichte, die knapp umrissen wird, und endet in einem klaren Finale.
Ich lese sie als „Konzept“-Geschichte. Damit meine ich: Sie denkt eine grundlegende Frage konsequent bis zum Ende hin durch. Das ist jenseits vom Wünschen, Gefallen oder Darf-man-das. Wie andere schon angemerkt haben: Das ist in einem Sci-Fi auch so, in einem Krimi auch so. Und die Autorin übernimmt die Aufgabe, im hypothetischen Denken und Fühlen folgerichtig zu sein. Das auch noch in eine Geschichte zu kleiden, ist Dir nach meinem Eindruck gelungen.
Also: Die Beziehung zwischen den beiden Personen hat eine Vorgeschichte, erfahre ich. Was ich nicht erfahre, ist, wie die beschaffen war, aber wohl zufriedenstellend über lange Zeit. Inzwischen fühlt sich die Frau vernachlässigt. Sie versucht mit ihren vermeintlichen Mitteln die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Es geht mir um die Frage, wer wem die Rollenidentität zuschreibt. Die Frau definiert sich als Sklavin und schmückt dies eigenmächtig aus. Stichwort: eigenmächtig. Und dafür bekommt sie den „Abwasch“, eine kleine Hirnwäsche im Eco-Programm. ER legt fest, was seine Sklavin schmückt, und auch was nicht.
Ja, das tut weh *g in diesem Gedankengang. Die „stolze Sklaven“ ist hierin passé. Die Federn, mit der sie sich schmücken darf, steckt er ihr an, und nicht umgekehrt. Hoffart ist die alte Bezeichnung dafür. Konsequent gedacht, würde er im letzteren Fall nur der Claqueur ihrer Aufführung sein.
Sie will gefallen. Schade um die Mühe, die sie sich gibt. Aber wer ohne Einschränkung gefallen will, muss sein Eigenes halt auf Null setzen. Das ist der Preis.
Nach meinem Verständnis erinnert er sie in der Geschichte durch sein Tun daran, was die Basis ihrer BDSM-Beziehung ist. Und dazu resettet er sie. Denn sie hat sich verrannt in ihrem Aufmerksamkeitsheischen.
Du hast Dich moralisch abgesichert in der Story, Sisa: Die beiden sind im Alltag Kameraden, Partner, pipapo, alles, was man sich von einer Beziehung nur wünschen kann. Und das bleibt unangetastet. Erschrakst Du selbst vor dieser nötigen Identitätsleere als Anfangszustand im Sexuellen? Der ist das Beständige in ihrer schon verwittert scheinenden Sexualität: Nicht sie ist es, die darüber verfügt, was er an ihr findet. Sie ist sträflich zur Aktivistin geworden *g.
Wie straft man eine Masochistin, wenn es eine wirkliche Strafe sein soll? Naja, wohl durch Nichtbeachtung ihrer Bedürfnisse.
Er kennt ja sein Schweinchen. Er nimmt sie wörtlich und zieht genau das durch, was sie ja will. Nur eines tat weh: ein unbeachtetes Nichts zu sein. Eine neue Identität erwächst aus der Verneinung einer alten.
Ich find die Geschichte herrlich konsequent durchdacht. Und geschichtlich auch gut umgesetzt. Das absolute Gefallen-Wollen (das ist nicht nur im BDSM so!), hat einen hohen Preis: Die eigene Identität, bis hin zum Nichts. Also: BDSM macht nur Spaß, solange er nicht perfekt funktioniert *g.
Meins wäre so eine Sklavin nicht, so verführerisch es erschiene, weil mir der eigene Wille auf der Gegenseite fehlte. Mir ist Konsequenz sowieso suspekt: Sie ist zweischneidig, weil sie mir selbst Berechenbarkeit auferlegt und meine Freiheiten einschränkt; zum Beispiel die des Sinneswandels. Und der ist mir heilig, weil ohne nur Stillstand wäre.
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