Insgeheim hatte sie gehofft, er würde die Initiative ergreifen. War er es nicht gewesen, der sie zu Beginn ihrer Beziehung darauf gestoßen hatte, was in ihr steckt? Hatte er sie nicht in diese Welt eingeführt? Sie traten schon lange auf der Stelle, kamen keinen Schritt weiter. Ihre Fantasie schon. Die war der Realität weit vorausgeeilt. Manchmal erschreckte es sie, was sie sich insgeheim alles wünschte.
Info: Veröffentlicht am 04.02.2012 in der Rubrik BDSM.
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Bild: Schattenzeilen, Dall-E
„Das alles willst du?“
Chris hatte das Blatt sinken lassen und sah sie prüfend an.
Tina kniete vor ihm und hatte ihn, während er gelesen hatte, keinen Moment aus den Augen gelassen, um an seinem Mienenspiel ablesen zu können, was er zu ihren Wünschen und Fantasien denken würde. Diese Mühe hätte sie sich sparen können. Pokerface. Jetzt lag dieser prüfende Blick auf ihr.
„Ja“, krächzte Tina leise. Ihre Stimme wollte ihr für den Moment den Dienst verweigern.
„Und du bist dir sicher, dass dies nicht nur alles Kopfkino ist?“, bohrte Chris nach.
„Ich... ich weiß nicht. Wir müssten es ausprobieren. Aber ich denke, ich bin bereit, einen ganzen Sprung nach vorne zu machen.“
Nochmals warf er einen Blick auf das Papier, das ihre geheimsten Fantasien und Wünsche enthielt. Lange hatte sie gezögert, sich ihm mitzuteilen.
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Ich hatte diese Geschichte schon einmal gelesen. Jetzt beim zweiten Lesen ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen zu erkennen. Egal ob als bottom oder als Top. Andererseits ist es so schwer, Grenzen zu erkennen. Und irgendwo spielt auch immer meine eigene Sehnsucht eine Rolle. Ich wünsche mir sehr, meine dominante Seite auszuleben. Aber wie weit bin ich bereit dafür zu gehen? Manchmal denke ich, als Top deutlich mehr Verantwortung für eine Session zu haben als bottom. Und wenn ich an den neuen Podcast zum Sinnesentzug denke, wird das dort auch angesprochen. Werde ich dieser Verantwortung gerecht werden, wenn ich in einer Session bin? Werde ich meine Grenzen überschreiten, weil ich mir eine Session so sehr wünsche und mein Gegenüber sich etwas wünscht, was meine Grenze eigentlich überschreitet? Aus Angst es ginge sonst nicht weiter? Bin ich in der Lage den Bereich Aftercare anschließend ausreichend und gut zu gestalten? Muss ich nicht bei Aftercare sowohl an mein Gegenüber als auch an mich denken? Werde ich erkennen was meinst sub braucht?
Ich finde es sehr mutig, als Top das Safeword zu nutzen. Und ich finde es toll zu erkennen, dass ich als Top nicht nur die Verantwortung für bottom habe sondern auch für mich selber.
Puh die hat mich sehr mitgenommen und zum Nachdenken angeregt.
Dein Text ist klar und auf eine Art geschrieben die sich angenehm, lesen lässt. Ohne große Umwege, oder sich in Gedanken ablenken zu lassen.
Es macht deutlich das auch die Top seite, grenzen hat.
Ich glaube es ist wohl jeden bekannt aber ich kenne das auch von mir.
Ich war in der selben Situation. Ich wollte mehr, viel mehr und tat es wie in dieser Geschichte auch mit geschriebenen Zeilen.
Zum Glück war mein Gegenüber, stark in der Persönlichkeit und ihrer Worte und Macht bewusst, ein gesundes Miteinander zu finden.
Aber es berührt mich sehr wie Du genau dieses auf einer anderen Weggabelung beschreibst. Nämlich so das Top sich auf etwas einlässt, was beide wollen und sich dabei so sehr verliert, Grenzen überschreitet das er am Ende keinen Ausweg mehr findet, Kontrolle verliert und sich selber schadet.
Erschrocken war ich schon beim dezenten ersten Hinweis, als Du die aufgeplatzten Lippen kurz angesprochen hattest. Da wurde mir bewusst in welche Richtung es geht.
Grenzen setzt man als Paar, niemals nur Top oder Sub alleine.
Vor allem aber sind wir alle Menschen und sollten niemals aus den Augen verlieren das es um Gefühle geht.
Eine Geschichte die zum nachdenken auffordert. Über grenzen, vertrauen und die macht die sie ihm gibt. Sicher geht nicht jeder mit dieser sorgsam um so wie er.
... ein Dom, der passiv ist, eine sub die aktiv ist, ... verdrehte Welt und doch so nachvollziehbar, wenn beide irgendwie nicht das bekommen, was sie sich insgeheim erwünschen, es aber nicht von selbst passiert! ... da passt der Deckel nicht ganz auf den Topf ... es knarrt im Gebälk, in der Beziehung ohne das beide es so wirklich war haben wollen oder begreifen können ...
... die Beziehung retten zu wollen, vor lauter Verunsicherung und Unbefriedigtheit auf beiden Seiten fangen beide an, die Sache zu verschlimmbessern! ... der Dom wird vorsichtig und passiv, die Sub aktiv und dominanter ... rollen werden verdreht ... man/Frau begibt sich in ein Terrain, dass man/Frau nicht nur nicht gewohnt ist, sondern auch eigentlich aus tiefster Überzeugung so nicht mag! ...
... und dann der Abend ... furchtbar ... aus verzweifelter Hoffnung, dem Partner was gutes zu tun, und die Beziehung zu „retten“ ... werden keine Grenzen überschritten, sondern wahrhaftig niedergerissen ... Tabus überschritten ... und was das allerschlimmste ist ... alles auf einmal „abgearbeitet“ ... am Ende bleibt für niemanden der Reiz des Unbekannten übrig, die Freude an noch nicht erlebtem ... und am aller schlimmsten : damit ist nicht nur die Magie , das prickeln des gemeinsamen Spiels sowie der Beziehung weg, sondern auch die Unschuld und Unbekümmertheit! ... eine Beziehung , die mit seinen Worten „Limes“ als gescheitert zu bezeichnen ist oder sehr viel Feingefühl und gemeinsames aufarbeiten fordert ...
Nachdenklich machende Geschichte zum Thema Grenzen und Rollenverständniss.
So finde ich es nicht unangemessen der Rolle, wenn eine Sub sich als solche zu erkennen gibt und auch ihre Sehnsüchte offenbart. Schwierig dagegen, wenn der Dom sich durch diese Wünsche führen lassen will. Er wartet auf ihr Safeword, das nicht kommt und verliert sich selber ohne diese Führung. Verkehrte Rollen. Zwangsläufig das Scheitern und der Abgrund, wenn der Dom nicht alles mit seinem Safeword beendet hätte.
Die Geschichte beschreibt sehr tiefgründig das Scheitern des Dom vor der Herausforderung seiner Verantwortung für die Grenzen.
02.03.2025 um 14:42 Uhr
Ich hatte diese Geschichte schon einmal gelesen. Jetzt beim zweiten Lesen ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, die eigenen Grenzen zu erkennen. Egal ob als bottom oder als Top. Andererseits ist es so schwer, Grenzen zu erkennen. Und irgendwo spielt auch immer meine eigene Sehnsucht eine Rolle. Ich wünsche mir sehr, meine dominante Seite auszuleben. Aber wie weit bin ich bereit dafür zu gehen? Manchmal denke ich, als Top deutlich mehr Verantwortung für eine Session zu haben als bottom. Und wenn ich an den neuen Podcast zum Sinnesentzug denke, wird das dort auch angesprochen. Werde ich dieser Verantwortung gerecht werden, wenn ich in einer Session bin? Werde ich meine Grenzen überschreiten, weil ich mir eine Session so sehr wünsche und mein Gegenüber sich etwas wünscht, was meine Grenze eigentlich überschreitet? Aus Angst es ginge sonst nicht weiter? Bin ich in der Lage den Bereich Aftercare anschließend ausreichend und gut zu gestalten? Muss ich nicht bei Aftercare sowohl an mein Gegenüber als auch an mich denken? Werde ich erkennen was meinst sub braucht?
Ich finde es sehr mutig, als Top das Safeword zu nutzen. Und ich finde es toll zu erkennen, dass ich als Top nicht nur die Verantwortung für bottom habe sondern auch für mich selber.
Es ist eine richtig gute Geschichte.
Danke Devana
Bibi
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