Das Magische an ihm waren seine großen und kräftigen Hände. Ich fühlte mich von ihnen gepackt. Obwohl er keinerlei Druck ausübte, hatte ich das Gefühl, Handschellen angelegt zu bekommen. Was als lustiger Kegelabend begonnen hatte, führte direkt in den Beginn eines tiefgreifenden Umbruchs. Denn Jack in the Box hat mich ergriffen.
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Bild: Schattenzeilen, Midjourney
»Viele Menschen glauben, dass es neben unserer, mit unseren Sinnen erfassbaren Welt, noch eine Parallelwelt gibt, in der sich alles aufhält, was uns hier verlässt. Und manchmal habe ich bei meinen magischen Versuchen wirklich die Vorstellung, es könnte so etwas wie ein gelegentlicher Funke aus jener Welt in unsere herüberspringen, als gäbe es, wenn auch nur kurz, Verbindung, wenn nicht zu der Parallelwelt, so vielleicht zu einer Art Zwischenwelt, zu Wesen, die sich noch auf der Wanderschaft befinden von unserer zur jenseitigen Welt. Oder ist es letztlich nur eine Welt tief in uns selbst, die wir nicht wahrhaben wollen? Denn da entstehen Dinge, die sehr, sehr rätselhaft sind, und ein paar davon werde ich versuchen, Ihnen heute zu zeigen …«
So begann der Magier seine Show. Jede von uns wusste, dass es sich nur um Tricks handelte, aber er schaffte es trotzdem, mit seiner tiefen Stimme und seinen langsamen, wohlüberlegten Sätzen bei uns im Vorraum der eher unromantischen Kegelbahn eine fast atemlose Stimmung zu erzeugen, in der außer dieser Stimme nichts zu hören war. Nicht einmal Beate, die sonst außer Kichern selten etwas beizutragen hatte, wagte, auch nur zu glucksen. Und ich, die ich immerhin Psychologie studiert habe, bekam das etwas unbehagliche Gefühl, dass er all diese Worte und immer wieder seine Augen in meine Richtung zu lenken schien und auf eine ganz subtile Weise von mir Besitz zu ergreifen drohte.
Wir, unser seit nunmehr zwei Jahrzehnten bestehender Kegelklub »Alte Neune«, lauter Damen in den späten Dreißigern, hatten ihn zum Klubjubiläum eingeladen. Ein paar von uns eisernen neun ehemaligen Klassenkameradinnen hatten für einen männlichen Stripper plädiert, aber bei der Abstimmung fiel das Votum mit 5:4 knapp auf den Magier, der sich in seiner Zeitungsannonce als »Master of the Otherworld« anpries.
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Das Magische an ihm waren seine großen und kräftigen Hände. Ich fühlte mich von ihnen gepackt. Obwohl er keinerlei Druck ausübte, hatte ich das Gefühl, Handschellen angelegt zu bekommen. Was als lustiger Kegelabend begonnen hatte, führte direkt in den Beginn eines tiefgreifenden Umbruchs. Denn Jack in the Box hat mich ergriffen.
Im nächsten Moment fühlte ich, wie mir ein Halsband umgelegt wurde. Ich hörte den Verkäufer gequält lachen, dass dieses Halsband eigentlich für Hunde gedacht sei. Und es amüsierte mich, dass andere Menschen Anstoß nahmen an etwas, das mir so selbstverständlich erschien.
Er übernahm mich, so muss ich es wohl ausdrücken. Er formte mich so, wie er mich haben wollte, nicht durch Gewalt, sondern durch die pure Magie seiner Stimme. In den ersten drei Wochen meines neuen Lebens beschränkte er sich darauf, in meinen Kopf einzudringen.
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Mir gefällt die Idee, die hinter der Geschichte steckt, auch wenn sie etwas „abgedroschen“ ist: Eine Frau, die eher durch analytisches Wesen auffällt, entdeckt geheime Wünsche in Form eines Mannes, der diese versteht, aus ihr herauszukitzeln.
Ingesamt ist sie spannend geschrieben und lässt sich gut lesen. Zwischendurch stören die eingeschobenen Sätze, die den Leser teils in die Gedankenwelt der Martha B. Einblick gewähren sollen.
Ich hoffe, dass der zweite Teil nicht ganz so klischeehaft daher kommt.
Langsam keimt ein Verdacht in mir. Der Schreibstil, die in sich schlüssigen Geschichten. Das macht mich irgendwie stutzig. Wie wenn das ein erfolgreicher Schriftsteller ist, der hier inkognito seine Geschichten an ahnungslosen Lesern testet. Der Gedanke gefällt mir. Ich würde mir das als Buch auf jeden Fall kaufen.
Allerding kommt mit da so eine Anekdote über Elvis in den Sinn. Er saß einmal in seiner Lieblingskneipe in Memphis in seinem Separee. Am selben Abend fand zur Unterhaltung der Gäste ein "Elvis-Imitatoren-Wettbewerb" statt. Nach einigem Zieren ließ sich Elvis vom Besitzer überreden und nahm am Ausscheid teil.
Tatsächlich fesselnde Zeilen, ich möchte schon sagen brilliant geschrieben! Schon das absolut passende Ambiente, die Kegelbahn, der Trupp feiernder Mädels kam sofort bei mir an. Die dann folgenden Überlegungen und Selbsterkenntnisse fand ich total klasse. Hoffen und Zaudern, Wissen und Verdrängen, Wollen und scheinbare Vernunft, besser kann man es wohl kaum beschreiben. Ich bin sicher, genau zu wissen, wie sie sich letztlich entschieden hat, auch wenn dies meiner eigenen Fortsetzung überlassen war.
Die ersten Schritte, die ersten beunruhigenden Gedanken an diese andere Welt und daran, was einem in ihr geschehen könnte. Dazu die Scham und gleichzeitig eine Lust, die aus der eigenen Tiefe zu kommen scheint. All das ist in diesem Text eine eine besondere, feine Weise eingefangen.
Schöne Story, die mich mitgenommen und auch sehr angesprochen... ich konnte die Situation gut nachempfinden... erinnerte mich an meine ungenutzten Chancen.
16.03.2025 um 15:34 Uhr
Mir gefällt die Idee, die hinter der Geschichte steckt, auch wenn sie etwas „abgedroschen“ ist: Eine Frau, die eher durch analytisches Wesen auffällt, entdeckt geheime Wünsche in Form eines Mannes, der diese versteht, aus ihr herauszukitzeln.
Ingesamt ist sie spannend geschrieben und lässt sich gut lesen. Zwischendurch stören die eingeschobenen Sätze, die den Leser teils in die Gedankenwelt der Martha B. Einblick gewähren sollen.
Ich hoffe, dass der zweite Teil nicht ganz so klischeehaft daher kommt.
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