Du bekommst von mir, was du möchtest, denn du sagst es mir. Oder du tust, was du möchtest, so wie du es heute getan hast. Ich sollte mich ausziehen und in die Badewanne legen. Du hast mir die Haare gewaschen, hast mich rasiert. Deine Berührungen waren nicht zärtlich, sondern effektiv. Du hast kein Wort gesprochen und mich das Ungewisse aushalten lassen.
Ich liege. Ich betrachte die Umrisse des Deckenlüfters, der nicht eingeschaltet ist. Das Licht stammt von Kerzen, die in unregelmäßigen Abständen verteilt sind. Der Raum ist mir unbekannt, du führtest mich hier herein. Er ist bis auf die Chaiselongue, auf der du mich platziert hast, beinah leer, beleuchtet von überreich in allen Farben und Formen vorhandenen Kerzen. Hast du sie mir als Sinnbild für die Menschen aufgestellt? Egal wie groß oder klein wir sind, egal wie schön oder unansehnlich wir sind, egal welchen Geldwert wir haben, das Licht ist bei jedem gleich und jeder brennt nur einmal ...
Der Raum muss sich im Inneren eines Gebäudes befinden, denn er hat keine Fenster, nur eine Tür, zumindest soweit ich das wahrgenommen habe. Die Tapete wirkt altmodisch, aber edel, perfekte Begleiterin der Chaiselongue aus dunklem Holz. Ein Spiegel mit üppigem Barockrahmen hängt an der Wand, begleitet von geschwungenen Lampen zu beiden Seiten. Man könnte sich vorstellen, dass Biedermeier-Kommoden mit weißen Porzellanfiguren darauf hierherpassen würden, Ölgemälde, die Landschaften oder Stillleben zeigen. Ich ersinne eine gediegene Abendgesellschaft, an einem mit Leinen gedeckten Tisch auf seidenbespannten Sesseln Platz nehmend, ein üppiges Mahl von antikem Geschirr genießend, sich in höflicher Konversation ergehend, nette Komplimente austauschend, repräsentierend, darstellend, sich taxierend, Messer in Rücken mit einem Lächeln versenkend.
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13.11.2020 um 18:48 Uhr
Was für eine fesselnde Geschichte. Was für eine Frau. Ich habe nicht den Eindruck, dass er das tiefe Vertrauen, dass sie in ihn hat, nicht verdient. Was auch immer ihn bewogen hat, dies zu arrangieren, war vermutlich nicht zu seinem Vergnügen. Zumindest lese ich das so.
Wahnsinn, diese Geschichte lese ich bestimmt noch mehrfach.
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