Es ist zum Kotzen nackt und verknöchert, unser Leben, und wir kämpfen jeden Tag ums Überleben, ohne es uns überhaupt bewusst zu machen. Wir verdrängen es. Und dann kommst du hier angerauscht und setzt dich in Pose, lächelst mich an und erzählst mir von Härte. Ich weiß nicht, was du tust oder beabsichtigst, aber du machst mich wütend. Und geil. Was davon ist dir lieber?
Ich hätte nicht zusagen sollen. Wer kommt auf die absurde Idee, am ersten wirklich warmen Sommerabend eine Lesung zu besuchen? Ich war drei Stunden vor der Zeit aus dem Regionalzug gestiegen, hatte mir die Füße wund gelaufen auf der Suche nach irgendetwas Interessantem in diesem gottverlassenen Nest. Meine verdammte Eitelkeit verflucht, die mich zwingt, zu jeder Lesung in neuen Schuhen anzutreten. Noch nicht einmal eine halbwegs passable Kneipe gefunden, um mich vorzeitig zu betrinken und so das dröhnende Gefühl des Verlassenseins zu betäuben. Ein fader Kaffee mit hässlich künstlichem Aroma in einer dieser weltweit wuchernden, stereotypen „Coffee-Lounges“ (die ich aus ganzem Herzen verabscheue) - mein einziger Zeitvertreib an diesem verlorenen Nachmittag.
Der Anblick des Raums, in dem ich das Produkt monatelanger Anstrengungen zu Gehör bringen sollte, raubte mir endgültig die Fassung.
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Meine Deutschlehrer hätten alle gesagt „nicht so lange Sätze“, nehmt euch ein Beispiel an den Engländern; das können nur die Deutschen, so lange Sätze zu schreiben, dass die sich über mehrere Zeilen hinweg ziehen und man die beim Vorlesen nicht an einem Stück sprechen kann, ohne zwischendurch Luft zu holen. Zum Glück bin ich kein Deutschlehrer. Im weitesten Sinne könnte man die Sätze zu mentalen Atemkontrolle verwenden. Zusammengefasst: gefällt mir.
Ich denke schon die ganze Zeit darüber nach, ob das eine "erdachte" Geschichte ist .
Sprachlich toll gefasst, beeindruckend geschrieben. Es dauert nur Augenblicke, bis der Klassenzimmermief ankommt, man sich inmitten der Leserunde niederlässt und der Lesung folgt. Seine Idee, das Ganze in einen anderen, einen besseren Rahmen zu verlegen, toll.
Was dann passiert lässt unendlich Platz für Phantasie und Kopfkino, ist mit der richtigen Prise Erotik gewürzt und lässt "Frau Lehrerin" in einem völlig anderen Licht erscheinen. Am Schluss bleibt die Chance, die Geschichte selbst weiterzuspinnen, sich selbst eine Fortsetzung zu gestalten.
Zeilen, die mir wirklich überaus gut gefallen haben. Danke dafür.
Beeindruckender Ausschnitt aus dem Leben eines Autors. Fesselnd und spannend mit sehr viel Hingabe zu den Zeilen geschrieben und mit einer guten Prise Erotik gewürzt.
unkonventionell in der sprache und genau das macht die geschichte so gut! mein lieblingsabsatz ist der den du auch also kurzinformation gepostet hast, der hat sich mir sofort eingeprägt :)
Schön eine erotische Geschichte zu lesen, die auf Bildung und Sprachgewalt aufbaut und sich Zeit lässt zur Sache zu kommen. Die differenzierten Beschreibungen der Szenerie und der Befindlichkeit des Protagonisten lassen mich in die Geschichte eintauchen. Das gilt aber vor allem für die erste Hälfte, die zweite kommt nicht mehr ganz so spürbar rüber - ist aber immer noch sehr gut.
13.10.2020 um 15:16 Uhr
Meine Deutschlehrer hätten alle gesagt „nicht so lange Sätze“, nehmt euch ein Beispiel an den Engländern; das können nur die Deutschen, so lange Sätze zu schreiben, dass die sich über mehrere Zeilen hinweg ziehen und man die beim Vorlesen nicht an einem Stück sprechen kann, ohne zwischendurch Luft zu holen. Zum Glück bin ich kein Deutschlehrer. Im weitesten Sinne könnte man die Sätze zu mentalen Atemkontrolle verwenden. Zusammengefasst: gefällt mir.
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