Was passiert mit mir unter seinen rauen Händen? Was passiert auf meiner Haut? Was darunter? Wieso bin ich hier und doch nicht bei der Sache? Woher kommt das Gedankenkarussell und wohin treibt es mich?
Was passiert da gerade mit mir? Ich fühle seine großen rauen Hände auf den Innenseiten meiner Schenkel. Sie verstreichen die leicht klebrige Nässe, die vor purer Lust aus mir perlt. Meine Haut fühlt jede noch so leise Berührung so intensiv, dass diese zarten Bewegungen schon fast zu viel sind für mich. Ich will mich wegdrehen. Fort von dieser Qual und sie doch genießen. Aber wegdrehen ist mir nicht möglich. Meine Arme reichen über meinen Kopf. Meine Handgelenke werden umschlossen von Ketten. Warm ist der Edelstahl. Jetzt. Vorhin, als der, dem ich erlaubte mich so zu erleben, mir diese Ketten anlegte, waren sie kalt. Eiskalt. Alleine das Klirren der Kettenglieder, als er sie aus ihrem Samtbeutel zog, ließ mich erschauern. Und dann die Kälte des Edelstahls. Noch kälter wurde mir, als die kleinen Schlösser einrasteten und damit die Bedeutung meiner Entscheidung untermauerten.
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Ich finde es überhaupt sehr schwer, die Gedanken auszuschalten, im Augenblick zu leben, nur zu fühlen und zu genießen. Keine Außenwelt, kein Alltag. Das gelingt mir ganz selten. Ich hab mich hier sowas von wiedergefunden.
Deine Geschichte zeigt mir in gut gemalten Bildern eine Sehnsucht nach etwas Umfassenderem, etwas Weiterem als dem Leben im eigenen Ich. Wahrscheinlich hebt sich dieser Vorhang in bestimmten Situationen ein wenig, zum Beispiel beim Spiel im SM. In diesem Moment scheint alles perfekt, rund, umfassend und gut, aber der Vorhang senkt sich auch wieder, manchmal in Situationen, in denen man es am Wenigsten erwartet. Das ist so, denn letztlich ist jeder Mensch ein Mensch und nicht zwei Menschen oder ein „Wir“.
Sehr schön der Satz: "Gefühl und Verstand sind heute nicht eines." In einer guten Partnerschaft sollte nie der Verstand siegen! Und das hast du schön beschrieben, ihre Zweifel ( Safeword...), die sie nicht versteht und die dann eine so schöne Auflösung erfahren, weil ihr Partner sie 'fühlt'.
Danke für die so positiven und konstruktiven Kommentare
@Wölfin
Für mich war gerade die Einleitung wichtig, da hier bereits die Erzählerin ja nicht "bei der Sache" ist. In ihrem Kopf vermischen sich Erinnerungen und Gedanken schiessen durch den Kopf, lassen sie sich selbst bereits fragen nach dem "falsch" und dem "richtig".
Sie ist nicht erst beim Einkaufszettel "draussen". Sie ist eigentlich nie "drinnen"
Für die Kürze des Textes ist er ganz schön vollgepackt: Die Freiheit der Entscheidung, jemandes Sub zu sein und sich in Ketten legen zu lassen. Die Notwendigkeit/Entbehrlichkeit von Regeln und Absprachen. Die Blockade. Und am Ende der aufmerksame Dom, der eher sich infrage stellt als seine Partnerin.
Mit der Frage, ob es richtig war, kein Safeword vereinbart zu haben, zeichnet sich die Blockade erstmals ab, sodass ich diesen Punkt durchaus schlüssig finde. Ebenso sein Einfühlungsvermögen, Dank dem er sie von ihrem Gedankenkarussell herunterholt. Anders geht es mir mit den einleitenden Worten rund um die eigene Entscheidung. Hier erkenne ich keinen Zusammenhang mit dem Rest der Geschichte; das hätte in meinen Augen entweder vertieft oder weggelassen werden müssen.
Die Blockade an sich zum Thema zu machen ist stark. Sabber, Zewa, raus … so schnell kann es gehen, jedem von uns.
15.01.2021 um 17:49 Uhr
„Viel mehr als richtig.“
Nämlich richtig gut geschrieben.
Zu diesem Beitrag im Forum.